Schichtwechsel bringt Arbeitswelten zusammen

WfbM des Erthal-Sozialwerks tauschte Arbeitsplätze mit dem Bauhof Güntersleben, der Kinderklinik Würzburg, der Stadt Aschaffenburg und dem Unternehmen Reciclage

Teilnehmende des Schichtwechsels stehen gemeinsam am Waldrand. Mehrere halten junge Nadelbäume in Pflanztöpfen.

Wie sieht ein Arbeitstag im Bauhof aus? Was geschieht im Dokumentenservice unsere Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung (WfbM)? Beim Schichtwechsel am 22. und 24. September 2026 fanden die Teilnehmenden Antworten direkt vor Ort. Der bundesweite Aktionstag machte Arbeitsabläufe sichtbar und brachte Menschen ins Gespräch.

Bauhof Güntersleben: Zusammenarbeit über den Aktionstag hinaus

Für Christian ist der Bauhof Güntersleben ein vertrauter Arbeitsplatz. Der Klient des Erthal-Sozialwerks gehört dort seit mehr als vier Jahren fest zum Team. „Wir schätzen Christian als Kollegen sehr und bieten immer wieder Plätze für Klient:innen des Erthal-Sozialwerks an. Nicht jede Zusammenarbeit passt auf Anhieb, aber wenn es funktioniert, gewinnen beide Seiten“, sagt Bauhofleiter Dieter Meinert.

Beim Schichtwechsel am 22. September lernten weitere Mitarbeitende der Werkstatt den Bauhof kennen. Gemeinsam mit dem Team pflanzten sie Bäume und sprachen über heimische Wälder und ihren Schutz. Später übernahmen Meinert und seine Kollegin Daniela Wenzel die Rolle der Gäste: In der Werkstatt in Heidingsfeld sahen sie sich die Arbeitsbereiche an und packten in der Elektrofertigung mit an. „Mich hat überrascht, wie viele einzelne Schritte dazugehören und wie viel Fingerspitzengefühl die Arbeit verlangt“, sagt Meinert über seinen Einsatz in der Werkstatt.

Kinderklinik Würzburg: Die Menschen hinter den Aufträgen kennenlernen

Auch die Kinderklinik Würzburg und den Dokumentenservice des Erthal-Sozialwerks verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Die Werkstatt digitalisiert für die Klinik unter anderem Patientenakten und übernimmt die Aktenvernichtung. Am 24. September rückten die Menschen hinter diesen Aufgaben in den Mittelpunkt: Mitarbeitende des Dokumentenservice und Beschäftigte der Kinderklinik besuchten sich an ihren Arbeitsplätzen.

Dabei lernten sie die Abläufe auf beiden Seiten kennen und konnten Fragen direkt miteinander besprechen. Wer sonst vor allem einen Auftrag oder ein Ergebnis sieht, bekam nun einen Einblick in die Arbeit dazwischen. So erhielt die eingespielte Partnerschaft neue persönliche Verbindungen.

Stadt Aschaffenburg: Ein Blick hinter die Kulissen des Rathaus

In Aschaffenburg besuchten vier Werkstattmitarbeitende die Stadtverwaltung. Ihr Weg führte vom Rathaus durch das Bürgerservicebüro, das Standesamt und das Amt für soziale Leistungen. Im Großen Sitzungssaal erfuhren sie mehr über die Aufgaben der Verwaltung. Nach dem gemeinsamen Mittagessen kamen Beschäftigte der Stadt zum Gegenbesuch in die WfbM. Dort begleiteten sie ihre Schichtwechselpartner:innen an deren Arbeitsplätze und probierten Tätigkeiten selbst aus.

Reciclage: Upcycling selbst ausprobieren

Drei weitere Mitarbeitende der WfbM Aschaffenburg verbrachten ihren Vormittag bei Reciclage in Alzenau. Das Unternehmen stellt Accessoires durch Upcycling her. Die Werkstattmitarbeitenden lernten die Arbeitsabläufe kennen und packten bei einzelnen Aufgaben mit an.

Im Anschluss kamen die Beteiligten der Stadt Aschaffenburg und Reciclage gemeinsam mit ihren Schichtwechsel-Partnern in der WfbM zusammen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurden die Gäste durch die Werkstatt geführt und erhielten Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche und Tätigkeiten der Beschäftigten. Auch am Nachmittag stand das gemeinsame praktische Arbeiten im Mittelpunkt. So wurde der Perspektivwechsel nicht nur durch Gespräche und Besichtigungen, sondern vor allem durch das gemeinsame Tun erlebbar.

Der Schichtwechsel gab den Teilnehmenden Gelegenheit, ihre Fähigkeiten an einem anderen Arbeitsplatz einzubringen und neue Tätigkeiten zu erproben. Zugleich lernten die Partnerbetriebe die Arbeit in den Werkstätten aus erster Hand kennen. Solche Begegnungen schaffen Kontakte und können Wege für weitere berufliche Erprobungen oder Außenarbeitsplätze öffnen.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen beteiligten sich 2026 bundesweit rund 400 Werkstätten und etwa 5.000 Menschen am Aktionstag Schichtwechsel.


Beitragsbild: Gemeinsam Bäume pflanzen und andere Arbeitswelten kennenlernen: Mitarbeitende der WfbM Heidingsfeld und das Team des Bauhofs Güntersleben beim Schichtwechsel am 22. September 2026 (Foto: Selma Hummel, Tatenwerk gGmbH).