Wo Arbeit Gemeinschaft schafft
Hoffest der WfbM des Erthal Sozialwerks

Musik auf der Bühne, der Duft vom Grill und viele Menschen, die miteinander lachen. Auf den ersten Blick wirkt das Hoffest der Werkstatt für Menschen mit psychischer Erkrankung (WfbM) des Erthal Sozialwerks wie jedes andere Sommerfest. Auf den zweiten Blick wird deutlich, warum dieser Tag für viele der Mitarbeitenden* so besonders ist.
Psychische Erkrankungen gehen oft mit sozialem Rückzug einher. Freundschaften brechen ab, Begegnungen werden seltener und der Alltag kann einsam werden. Umso wichtiger sind Orte, an denen Gemeinschaft ganz selbstverständlich entsteht. Die Werkstatt des Erthal Sozialwerks ist ein solcher Ort. Hier geht es nicht nur um Arbeit, sondern auch um Begegnungen, Beziehungen und darum, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Das Hoffest schafft dafür jedes Jahr einen besonderen Rahmen. Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Arbeitsbereichen kommen zusammen, lernen sich neu kennen und verbringen Zeit miteinander. Aus einem kurzen Gespräch entstehen neue Kontakte, aus gemeinsamen Erlebnissen oft Freundschaften.
Bereits der Auftakt zeigte, worum es an diesem Tag ging. Beim Freiluftgottesdienst zum Thema des Katholikentags „Hab Mut, steh auf!“ entstand spontan ein Chor aus Mitarbeitenden und Personal. Ohne große Vorbereitung begleiteten sie den Gottesdienst musikalisch und sorgten für einen Moment, der viele berührte.
Beim anschließenden Grillen rückten Termine und Arbeitsabläufe in den Hintergrund. Stattdessen blieb Zeit für Gespräche, Begegnungen und den Austausch über die verschiedenen Arbeitsbereiche der Werkstatt hinweg. Viele Beschäftigte begegnen sich im Alltag nur selten. Das Hoffest schafft Raum, diese Verbindungen zu stärken.
Am Nachmittag wurde die Bühne zum Treffpunkt für Kreativität und Mut. Gesang, Gitarrenmusik, Tanz und ein Sketch der Fahrradwerkstatt sorgten für viel Applaus. Beim Karaoke wurde aus dem Publikum schnell ein Teil des Programms. Wer Lust hatte, griff zum Mikrofon. Nicht Perfektion stand im Mittelpunkt, sondern die Freude, sich auszuprobieren und gemeinsam Spaß zu haben.
Für viele Lacher sorgte die Tombola. Hinter einem angekündigten Traumauto verbarg sich ein kleines Spielzeugauto, das Traumhaus entpuppte sich als Schneckenhaus. Gerade diese kleinen, humorvollen Überraschungen machten den Nachmittag unbeschwert und sorgten für viele gemeinsame Erinnerungen.
Solche Feste sind in der Eingliederungshilfe weit mehr als ein Programmpunkt im Kalender. Sie schaffen Erlebnisse, über die noch lange gesprochen wird. Sie stärken das Wir-Gefühl, fördern soziale Kontakte und geben Menschen die Möglichkeit, sich außerhalb des Arbeitsalltags zu begegnen. Gerade für Menschen mit psychischer Erkrankung können diese Erfahrungen einen wichtigen Beitrag zu Selbstvertrauen, sozialer Teilhabe und Lebensqualität leisten.
Das Hoffest der WfbM des Erthal Sozialwerks zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass Teilhabe dort beginnt, wo Menschen sich willkommen fühlen, gemeinsam lachen und erleben: Ich gehöre dazu.
Beitragsbild: Mit viel Witz und Talent brachte die Fahrradwerkstatt das Publikum zum Lachen. Der Sketch war einer von vielen Beiträgen, mit denen die Mitarbeitenden der WfbM die offene Bühne gestalteten (Foto: Mechtild Schwierczek, St. Josefs-Stift e.V.).